Startseite | Kontakt | Feedback | Sitemap | Impressum | AGB

Die Zukunft des Eisenbahnmuseums

Am 8. November 2012 stand in der Ratssitzung der Stadt Bochum die Beschlussangelegenheit “Eisenbahnmuseum Bochum - Neukonzeption” auf der Tagesordnung. Dahinter verbarg sich eine Entscheidung, auf welche die DGEG und die Stiftung Eisenbahnmuseum Bochum lange Zeit hingearbeitet haben. Die Ratsversammlung entschied über nicht mehr und nicht weniger, als über die zukünftige Entwicklung einer der größten privaten Eisenbahnsammlungen in Deutschland.

Der Charme vergangener Zeiten wird bei der Neuausrichtung erhalten bleiben. Im Bereich der Drehscheibe und des Ringlokschuppen sowie beim Wasserturm werden, ganz im Sinne der Denkmalpflege, die notwendigen Ausbesserungsarbeiten äußerst behutsam umgesetzt. Eine "Reise in die Vergangenheit" wird auch in der Zukunft im Eisenbahnmuseum Bochum weiterhin möglich sein.

Planung und Ziele (Teil 1)

Das Eisenbahnmuseum Bochum kann, seit seiner Gründung durch die DGEG im Jahr 1977, auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. In den vergangenen Jahrzehnten ist es nicht nur gelungen ein authentisches Stück Eisenbahn-, Industrie- und Regionalgeschichte vor dem Verfall zu bewahren, sondern auch bei vielen Gästen die Begeisterung für diese bedeutende Verkehrstechnik zu wecken. Gegenwärtig hat die in Bochum beheimatete historische Fahrzeugsammlung einen guten Ruf und gilt, mit durchschnittlich 50.000 bis 70.000 Besuchern im Jahr, als ein bedeutendes regionales Industrie- und Technikmuseum.
Damit die Erfolgsgeschichte des Bochumer Eisenbahnmuseums auch zukünftig fortgesetzt werden kann, ist eine behutsame aber konsequente Weiterentwicklung notwendig. Die Anforderungen, die an ein technisch-historisches Museum gestellt werden, haben sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Ein verändertes Freizeit- und Konsumverhalten sowie modernere Zugänge zu historischen Themen tragen dazu bei, dass zeitgemäße Präsentationsformen und eine ansprechende Gesamtgestaltung sowie eine aktive Einbindung der Besucher im Rahmen einer Ausstellung heutzutage erwartet werden. Daher soll der “Rohdiamant”, wie das Eisenbahnmuseum Bochum von Seiten der Stadt auch genannt wird, “geschliffen und zum Leuchten gebracht werden”. Durch die geplante Neuausrichtung soll das ehemalige Bahnbetriebswerk aus der Dampflok-Ära an Attraktivität dazu gewinnen und somit dem Museum eine Perspektive für die kommenden Jahrzehnte geboten werden. Der maßvollen Neukonzeption liegt dabei folgender Leitgedanke zugrunde:
“Die Eisenbahntechnik und die Eisenbahngeschichte sollen, durch eine fachgerechte und ansprechend gestaltete Präsentation sowie durch eine erweiterte Ausrichtung auf eine globalere und kulturhistorische Betrachtung, gleichermaßen für Eisenbahnexperten wie für interessierte Laien attraktiv und leicht verständlich vermittelt werden. Das Eisenbahnmuseum Bochum soll zu einem Ort für die ganze Familie werden und zukünftig verstärkt diejenigen von dieser bedeutenden Technik begeistern, die bisher nichts oder nicht viel über die Eisenbahn wissen.”

Um dieses Ziel zu erreichen sind verschiedene Maßnahmen geplant. Diese lassen sich grob in vier verschiedene Komplexe unterteilen.
1. Der Ankauf des ehemaligen Bahnbetriebswerkes von der DB.
2. Der Neubau eines Empfangsgebäudes sowie die teilweise Neugestaltung des Außengeländes und des Museumsumfeldes.
3. Eine denkmalgerechte Sanierung und ein funktionsgerechter Umbau der bestehenden Gebäude und Anlagen.
4. Die Umsetzung eines neuen museumsdidaktischen Konzeptes.

Der neue Eingangsbereich mit dem geplanten Museumsneubau setzt mit seiner modernen Architektur einen Kontrapunkt zu den historischen Gebäuden. Der Besucher soll auf dem ersten Blick erkennen können, welches Gebäude neu ist und welches zum ursprünglichen Ensemble des ehemaligen Bahnbetriebswerkes gehört.

Planung und Ziele (Teil 2)

Der Ankauf des bisher gepachteten Geländes soll die notwendige Rechtssicherheit geben, damit die weitere geplante Entwicklung überhaupt ermöglicht wird.
Durch den Bau eines neuen Museumsgebäudes soll ein moderner, dem internationalen Standard entsprechender Empfangsbereich samt der heute gängigen Museumsinfrastruktur mit Shop, Seminar- und Ausstellungsräumen sowie mit einem gastronomischen Betrieb geschaffen werden. Das direkte Museumsumfeld, inklusive einer begrünten Parkplatzanlage und einer attraktiven Platzgestaltung im Eingangsbereich, sowie das Außengelände sollen zeitgemäß und ansprechend gestaltet werden. Dabei wird darauf geachtet, dass der besondere Flair dieses historisch „gewachsenen“ Ortes dauerhaft bewahrt und mit der Neugestaltung in Einklang gebracht wird.
Diese oben erwähnten Maßnahmen bilden den Ausgangspunkt für weitere Umstrukturierungen. Einige der bestehenden Räumlichkeiten und der internen Arbeitsabläufe können in der Folge neu arrangiert werden. Zum Beispiel soll durch die Zusammenlegung verschiedener Werkstätten die bestehende Ausstellungsfläche weiter vergrößert werden. Nach der gegenwärtigen Planung soll der neu zu gestaltende Werkstattbereich zum einen die Restaurations- und Wartungsarbeiten optimieren, zum anderen den Besuchern einen Einblick in die vielgestaltige Arbeit des Eisenbahnmuseums ermöglichen.
Das neue museumsdidaktische Konzept umfasst eine Gliederung und Aufarbeitung der Fahrzeugsammlung nach speziellen Themengebieten. Im Empfangsgebäude wird ein einführender Prolog die Besucher auf das Museum einstimmen. Die bestehenden Ausstellungsräume werden inhaltlich neu strukturiert. So sollen zum Beispiel im Ringlokschuppen sowie in den Wagenhallen 1 und 2 die ausgestellten Fahrzeuge nicht nur anhand technischer Daten, sondern in einem umfassenden historischen Kontext präsentiert werden. Mit dem neuen Konzept wird angestrebt, die Alltags- und Arbeitswelt vergangener Zeiten durch entsprechende Exponate, Modelle und Arrangements sowie mit dem nostalgischen Fahrbetrieb zu veranschaulichen und somit ein besucherfreundliches Museum mit dem Alleinstellungsmerkmal “authentische und lebendige Erlebniswelt Eisenbahn” aufzubauen. Der Aspekt des lebendigen Museums soll aber nicht nur durch einen regelmäßigen Fahrbetrieb betont werden, sondern auch durch eine kinder- und familienfreundliche Ausrichtung. So soll u.a. das 2012 neu geschaffene Kinderspielzimmer um einen Kinderspielbereich im Außengelände und speziellen Angeboten für die kleinen Gäste erweitert werden.

Auch zukünftige Generationen sollen die Eisenbahn der Dampflok-Ära mit allen ihren Facetten kennenlernen können.

Planung und Ziele (Teil 3)

Die gerade aufgeführten Maßnahmen bedürfen aber, neben dem unschätzbaren ehrenamtlichen Engagement, der finanziellen Unterstützung in Form von privaten und öffentlichen Investitionen. Das Volumen der angestrebten Fördermittel beträgt insgesamt ca. 10 Millionen Euro, die im Zeitraum von 2014 bis 2022 bereitgestellt werden sollen. Daher benötigt das Eisenbahnmuseum Bochum starke Partner an seiner Seite. Aktuell führt zum Beispiel der Regionalverband Ruhr (RVR) Verhandlungen mit der DB, um das Gelände mit allen darauf befindlichen Gebäuden zu erwerben und somit die dauerhafte Nutzung durch das Eisenbahnmuseum zu garantieren.
Damit alle diese vorgestellten Pläne nun in den kommenden Jahren Gestalt annehmen können, war aber die eingangs erwähnte Zustimmung des Rates der Stadt Bochum zu der Neukonzeption erforderlich. Ohne eine entsprechende Unterstützung der Stadt wären die aufgeführten Pläne nicht realisierbar. Bereits im Vorfeld wurde das Eisenbahnmuseum von Seiten der Politik mehrfach als Glücksfall für Bochum und als Visitenkarte sowie zukünftiger Impulsgeber für das kulturelle und soziale Leben in der Stadt bezeichnet. Eine Einschätzung, der sich alle Fraktionen anschlossen und die Entscheidung durch ein einstimmiges Votum in der Ratsversammlung krönten.
Die breite Zustimmung und Unterstützung von allen Seiten betont die dem Museum entgegengebrachte Wertschätzung und ist für die zukünftige Arbeit Antrieb und Verantwortung zugleich.
Um dem entgegengebrachten Vertrauen gerecht zu werden, wird schon in der Saison 2014 mit ausgesuchten Leuchtturmprojekten verdeutlicht, wie das Eisenbahnmuseum Bochum der Zukunft aussehen könnte.