Bilder des Monats: September 2026
Ein Mal im Monat veröffentlichen wir in unserem Blog kleine Geschichten und historische Aufnahmen aus unseren digitalem Archiv.
Das Kleinbehälter-System der Deutschen Bundesbahn
Das Kleinbehälter-System der Deutschen Bundesbahn
Die Kleinbehälter der Deutschen Bundesbahn (umgangssprachlich auch als Rollcontainer oder Umsatzbehälter bezeichnet) waren über Jahrzehnte hinweg ein prägendes Element im westdeutschen Schienengüterverkehr. Das System bot eine flexible Transportlösung für kleinere Frachtmengen. Die Ursprünge des Systems reichen in die 1930er-Jahre zur Deutschen Reichsbahn zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute die Deutsche Bundesbahn das Netz massiv aus. Das primäre Ziel war die Rationalisierung des Stückgutverkehrs. Bis dahin mussten Kisten, Säcke und lose Waren auf den Bahnhöfen einzeln von Hand in gedeckte Güterwagen hinein- und wieder herausgeladen werden. Dies verursachte enorme Personalkosten, lange Standzeiten der Waggons und ein hohes Risiko für Diebstähle oder Transportschäden. Die Kleinbehälter sollten den Umschlag beschleunigen und die Ware auf dem Weg vom Absender zum Empfänger vor Beschädigungen schützen. Das System basierte auf standardisierten, meist hölzernen oder metallenen Boxen mit vier kleinen Laufrollen, die manuell oder im Zugverband bewegt werden konnten. Sie wurden in drei festen Größen bereitgestellt: Ad (1 m³), Bd (2 m³) und Cd (3 m³). Der logistische Ablauf war unkompliziert: 1. Bereitstellung: Die DB lieferte die leeren Behälter per Lkw direkt an die Laderampe des Kunden. 2. Beladung & Transport: Der Kunde befüllte und verschloss den Behälter. Über Rampen wurde er in herkömmliche gedeckte Güterwagen gerollt. Eine integrierte Hebel-Feststellvorrichtung hob die Rollen leicht an, sodass die Behälter während der Fahrt sicher auf dem Waggonboden standen. 3. Zustellung: Am Zielbahnhof rollte das Bahnpersonal die Behälter aus dem Waggon und stellte sie dem Empfänger wiederum per Lkw zu. Das System erreichte in den 1950er- und 1960er-Anfangsjahren seinen wirtschaftlichen Höhepunkt, verlor dann aber schrittweise an Bedeutung. Die Ausmusterung vollzog sich schleichend bis Anfang der 1980er-Jahre (ca. 1983). Der technologische Fortschritt hatte das System überholt: Die flächendeckende Einführung der standardisierten Euro-Palette in Kombination mit modernen Gabelstaplern und Hubwagen erwies sich als deutlich flexibler, platzsparender und kostengünstiger. Zudem revolutionierte der internationale ISO-Container ab Ende der 1960er-Jahre den globalen Gütermarkt, wodurch die kleinen, händisch zu rollenden Bahnbehälter überflüssig wurden. Am 26. Juni 1956 dokumentierte der Direktionsfotograf der BD Wuppertal die Verwendung solcher Kleinbehälter bei der Güterabfertigung Hagen. Die nachfolgende Bilderserie zeigt eine kleine Auswahl dieser Bilder.